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Südtiroler Bauernbund

EU-Agrarpolitik: Budget und Verteilung für Südtirol wichtig

Viele Themen, die derzeit die Bäuerinnen und Bauern beschäftigen, kamen kürzlich beim bäuerlichen Informationsabend des SBB im Josefshaus in Laas zur Sprache. Im Mittelpunkt standen unter anderem neue Handelsabkommen, die Bürokratie, die Digitalisierung sowie der Pflanzenschutz.
iele verschiedene Themen kamen in Laas zur Sprache, etwas die EU-Agrarpolitik, das Mercosur-Abkommen oder die Digitalisierung.

Ob neue Herausforderungen oder bestehende Anforderungen: Der Südtiroler Bauernbund unterstütze die Bäuerinnen und Bauern bestmöglich, betonte Bauernbund-Direktor Siegfried Rinner in Laas. Neben der sozialen Absicherung bilde insbesondere die Digitalisierung einen Schwerpunkt. „An Künstlicher Intelligenz und der Digitalisierung führt kein Weg mehr vorbei. Immer mehr Dienste werden digital angeboten, u. a. auch Förderansuchen. Daher sollte sich jeder damit befassen“, sagte Rinner. Wer Schwierigkeiten habe, könne sich jederzeit an den Südtiroler Bauernbund wenden.
Zuversichtlich zeigte sich Rinner auch bei der Tierwohlzertifizierung. Dank gemeinsamer Anstrengungen gelinge die Umsetzung. Mehr Unterstützung gebe es zudem für die Almwirtschaft, auch die Milchwirtschaft müsse künftig stärker gefördert werden.
Eine große Bedeutung maß Rinner den Fraktionsverwaltungen bei. Er rief dazu auf, sich aktiv in den Fraktionen zu engagieren, da diese insbesondere für die Landwirtschaft von großer Bedeutung seien.
Auch die Arbeitssicherheit war ein Thema. „Aufgrund neuer Bestimmungen sind Onlinekurse vorerst nur noch bis zum 17. Mai möglich. Wir hoffen jedoch, mit einem Sonderabkommen die Onlinekurse auch künftig anbieten zu können. Um auf Nummer sicher zu gehen, sollten benötigte Online-Kurse noch diese Woche abgeschlossen werden“, erklärte Rinner. Präsenzkurse seien natürlich weiterhin möglich.
Zufrieden zeigte sich der Bauernbund-Direktor zudem mit den aktuellen Regelungen zur Abfallbewirtschaftung und zum Brandschutz. „Bei Problemen finden wir Lösungen, um den Bäuerinnen und Bauern das Arbeiten zu erleichtern.“

Ein zentrales Thema, das nicht nur die bäuerlichen Betriebe im Vinschgau beschäftigt, ist die neue EU-Agrarpolitik ab 2028. „Seit Corona und den verschiedenen Krisenherden weltweit wird die Landwirtschaftspolitik wieder ernster genommen. Zudem ist die Ernährungssicherheit wieder stärker in den Mittelpunkt gerückt“, berichtete der EU-Abgeordnete Herbert Dorfmann. Er hoffe, dass sich die gestiegene Bedeutung der Landwirtschaft auch in den Verhandlungen über die EU-Agrarpolitik nach 2028 widerspiegeln werde. „Innerhalb dieses Jahres sollen die Entscheidungen sowohl über das Budget als auch über dessen Aufteilung fallen. Ich bin zuversichtlich, dass die finanziellen Mittel in etwa auf dem Niveau der vergangenen Jahre bleiben – trotz des steigenden Bedarfs für Verteidigung und Sicherheit.“
Ebenso wichtig wie die Höhe des Budgets sei die Verteilung der Mittel. „Es soll ein Starterpaket für Junglandwirte geben. Das ist wichtig, denn das Durchschnittsalter der Betriebsinhaber liegt immerhin bei 58 Jahren.“ Auch die Risikoabsicherung gegen Extremwetterereignisse werde ein zentraler Baustein sein. Die operationellen Programme für die Genossenschaften sollen ebenfalls fortgeführt werden.
Diskussionsbedarf gebe es hingegen bei der Betriebsprämie. „Das Ziel muss sein, dass nur jene Betriebe eine Prämie erhalten, die aktiv bewirtschaftet werden und bei denen die Lebensmittelproduktion im Mittelpunkt steht. Leider erhalten bisher auch Großgrundbesitzer, Fonds und sogar die saudische Königsfamilie EU-Fördergelder“, erklärte Dorfmann. Angedacht sei eine Obergrenze bei den Prämien. Ob diese jedoch eine Mehrheit finde, sei derzeit alles andere als sicher.
Mehr Chancen als Risiken sieht Dorfmann in den verschiedenen Handelsabkommen, die die EU aus geopolitischen Gründen mit anderen Staaten abschließt, um unabhängiger zu werden. Im Fokus steht derzeit das Mercosur-Abkommen mit südamerikanischen Staaten. „Bei diesen Abkommen geht es um Rohstoffe, die wir in der EU dringend benötigen, aber auch um Lebens- und Futtermittel.“ Für die meisten europäischen Produkte sei das Abkommen unproblematisch. Chancen gebe es für Mascarpone und Käse sowie in geringerem Ausmaß auch für Wein und Äpfel aus der EU.
Kritisch sei die Situation beim Pflanzenschutz, da immer weniger Wirkstoffe neuen Schädlingen und Krankheiten gegenüberstünden. Seit 2020 sei lediglich ein neuer Wirkstoff auf den Markt gekommen. „Derzeit werden sowohl schnellere Zulassungsverfahren als auch Verlängerungen bestehender Zulassungen diskutiert. Wenn wir die Versorgungssicherheit ernst nehmen, müssen wir die Zulassungen verbessern“, betonte Dorfmann.

In der anschließenden Diskussion ging es unter anderem um den Wolf. Viele Bäuerinnen und Bauern befürchten laut dem Vinschger SBB-Bezirksobmann Joachim Weiss erneut Risse auf den Almen. Die wenigen Abschüsse würden nicht ausreichen, um die gealpten Tiere ausreichend zu schützen, lautete der Tenor. Zudem wurde gefordert, den Zeitraum der Wasserkonzessionen vorzuziehen, da die Vegetation immer früher beginne. Auch Maßnahmen zur Wassereinsparung sowie Fragen der Arbeitssicherheit wurden diskutiert.