Zum Hauptinhalt springen

Prad/Eyrs/Schluderns

„Die vier Opas afn Radl“

Auf ihren Rennrädern sind sie regelmäßig gemeinsam unterwegs: Alois Koch (Jg. 1953) aus Prad, Leo Raffeiner (Jg. 1958) aus Schluderns, Manfred Nussbaumer (Jg.1964) aus Eyrs und Georg Ortler (Jg. 1972) aus Prad. Sie sind Mitglieder im ARSV Vinschgau und nennen sich selbst schmunzelnd „Die vier Opas afn Radl“. Denn sie haben gemeinsam 15 Enkelkinder. Doch der Reihe nach: Jahrelang war jeder für sich allein auf dem Rad unterwegs. Auf ihren Runden im Vinschgau begegneten sie sich öfters, hielten kurz an und machten ein „Ratscherle“. In diesem Zusammenhang reifte vor drei Jahren die Idee, gemeinsam Touren zu unternehmen.
Gesagt getan, und los gings. Die vier Radsportler schenken sich konditionell nichts. Trotz des Altersunterschieds - der Älteste ist 72 Jahre alt und der Jüngste 53 -, ist bei ihnen kein Unterschied in der Leistung zu erkennen. Alle sind top fit und durchtrainiert. Neben der Bezeichnung Opas haben sie sich selbst auch noch humorvolle Scherznamen gegeben. Alois, der pensionierte Mechaniker, ist „der Coach“. Er gibt Tipps und erklärt, wie jeder in die Pedale treten und sich die Kraft einteilen soll. Manfred, der pensionierte Carabinieri ist „das Ross“, weil er kräftig nach vorne zieht. Er hat in diesem Jahr sage und schreibe 15.000 Kilometer absolviert. Leo ist pensionierter Koch und hat den Spitznamen „der Kasper“, weil er für Erheiterung sorgt und immer einen lustigen Spruch auf den Lippen hat. Der jüngste im Team ist Georg. Er steht als Koch noch im Berufsleben und ist „die Maschin“, weil er dafür sorgt, dass „das Getriebe“ der Mannschaft läuft. Er kümmert sich um die Planung der Routen. Mittlerweile haben die vier Opas fast alle Pässe in Südtirol und eine Vielzahl in den umliegenden Alpengebieten in Österreich und der Schweiz erklommen. Bei ihren „Kaffeerunden“, wie sie es nennen, legen sie 40 bis 50 Kilometer zurück. Bei den langen Touren schaffen sie an einem Tag weit über 100 Kilometer. Im Juli 2024 haben sie beispielsweise an einem Tag die Pässe rund um den Sellastock in den Dolomiten erklommen (insgesamt 170 Kilometer und 4.700 Höhenmeter). Diese Tour im Angesicht der bleichen Berge bezeichnen sie als eine der schönsten. Die Ortlerrundtour (250 Kilometer und 5.400 Höhenmeter) haben sie schon mehrmals in neun Stunden geschafft. Diese Tour führt über das Stilfserjoch über mehrere Pässe bis zum Gampenpass und wieder zurück in den Vinschgau. Das Stilfserjoch steht jährlich mehrere Male als „Kaffeetour“ auf dem Programm. Die vier Radler unternehmen vorwiegend Tagestouren, um abends wieder bei ihren Familien zu sein. Alois und Leo ziehen die Tagestouren vor. Manfred und Georg lieben Mehrtagestouren. Ihr Traum wäre es, eine Weltreise zu unternehmen und alle Kontinente zu erkunden.
Die vier passionierten Radler erachten es als Glück, dass ihre Frauen die Radleidenschaft tolerieren. Für 2026 ist eine Woche Radfahren in Frankreich im Gespräch. Die vier Opas wollen den Spuren der Tour de France in den Alpen folgen. Derzeit sind die vier Opas als Gruppe in der Winterpause. Jedoch jeder für sich setzt sich auch im Winter auf den Rennradsattel, wenn die Witterungsverhältnisse es zulassen. (mds)

Ausgabe 25/2025