Heizen
Heizen mit Holz - Aber richtig!
Vinschgerwind: Das abgelaufene Jahr war nicht einfach, das neue Jahr 2026 wird noch schwieriger. Pensionierungen und keine neuen Mitarbeiter, die gefunden werden. Was heißt das für die Kunden?
Hanspeter Schwemm: Wir befinden uns in einer ganz schwierigen Situation. Das bisherige System, wie es die Kunden kennen, ist in dieser Form längerfristig vielleicht nicht mehr machbar. Es ist alles im Wandel, so auch unsere Dienstleistung.
Vinschgerwind: Was heißt das konkret für die Kunden?
Hanspeter Schwemm: Es wird sich nichts von heute auf morgen ändern. Aber es kann sein, dass in den kommenden Jahren in manchen Kehrbezirken der Kaminkehrerdienst auf Abruf basiert oder erfolgen wird.
Helmuth Holzner: Es ist bei uns wie bei allen Branchen auch: Wenn die Mitarbeiter fehlen, dann kommt man unter Druck und man kann nicht alle und auch neue Kunden zufriedenstellen.
Vinschgerwind: Und woran liegt es, dass der Nachwuchs fehlt?
Johannes Tappeiner: Wir haben, wie alle Handwerksberufe, mit Nachwuchsmangel zu kämpfen. Es kommen einfach immer weniger Junge nach. Zum anderen haben viele auch ein falsches Bild vom Kaminkehrerhandwerk. Der Kaminkehrerberuf hat nicht nur mit der traditionellen Kaminreinigung zu tun, sondern ist ein abwechslungsreicher Job. Man hat viel Kundenkontakt, das Arbeitsfeld ist sehr breitgefächert wie zum Beispiel Kamininspektionen mit der Kamera unter anderem auch bei Lüftungsanlagen, Kaminsanierungen, Druckproben bei Kaminen, Abgasmessungen Beratungen usw. und am Jahresende auch Glücksbringer!
Helmuth Holzner: Kaminkehrer ist auf jeden Fall ein vielseitiger Beruf. Unsere Vinschger Fegerbetriebe möchten kommenden Sommer Praktikumsplätze, natürlich begrenzt, anbieten, damit Interessierte unseren Beruf kennenlernen können.
Hanspeter Schwemm: Und es steckt immer mehr Technik und Wissen dahinter. Allein die verschiedenen Arten von Heizanlagen, Pelletsöfen usw. Verbrennungsstechnik, Normen und Gesetze und allgemein im energetischen Bereich.
Richard Schupfer: Der Kaminkehrer ist nicht mehr nur Kaminkehrer, sondern ein Kaminfachmann.
Vinschgerwind: Was passiert, wenn die Prüfungsintervalle nicht mehr eingehalten werden können?
Hanspeter Schwemm: Der Betreiber ist immer selbst für seine Anlage verantwortlich. Das heißt die Eigenverantwortung steigt. Der Betreiber ist am Ende immer für die Sicherheit, die ordnungsgemäße Reinigung und die Einhaltung von Vorschriften verantwortlich.
Vinschgerwind: Knüpfen wir an das Interview vor genau einem Jahr zu Jahresende an: Es wurde damals jene Kampagne angekündigt, die derzeit läuft und sich „Heizen mit Holz“ nennt.
Richard Schupfer: Ja, genau. Das Amt für Luft und Lärm, die Klimahausagentur, der lvh und wir Kaminkehrer haben eine dreijährige Infokampagne gestartet, die sich „Heizen mit Holz“ nennt. Die Kampagne richtet sich an Besitzer von Feuerungsanlagen, darunter sind Herd, Ofen und Heizanlagen gemeint, die mit Holz, also mit Festbrennstoff, betrieben werden.
Hanspeter Schwemm: Ziel ist einmal die Leute darauf aufmerksam zu machen, wie die Anlagen zu befeuern sind. Zum Zweiten soll auf die Wartungen hingewiesen werden und zum Dritten ein Emissionskataster erstellt werden.
Vinschgerwind: Ein Emissionskastaster?
Johannes Tappeiner: Ja, die Kunden werden zugleich befragt. Das heißt, um dieses Emmissionskataster zu erstellen, werden vom Kaminkehrer vor Ort einige Daten einsammelt.
Richard Schuper: Konkret sieht das so aus: Im Zuge von einer Reinigung erklärt der Kaminkehrer wie „Heizen mit Holz“ richtig funktioniert, sprich führt ein Beratungsgespräch durch. Zugleich wird der Brennstoff, also das Holz einer Feuchtigkeitsmessung unterzogen. Dann wird noch der Brennstoffverbrauch bemessen.
Helmuth Holzner: Dann wird festgehalten, wieviele Anlagen sich im Haus befinden und in welchem Zustand diese sind.
Hanspeter Schwemm: Wir erfassen auch die Klimahauszertifizierung.
Richard Schupfer: Wichtig zu sagen ist, wir bewerten nicht, sondern wir erheben Daten. Und das erfolgt nur mit dem ausdrücklichen Einverständnis der Besitzer. Das ist keine Verpflichtung, aber es ist wichtig, weil diese Erhebung und die Beratungsgespräche dazu dienen, die Emissionen zu reduzieren und Rauch- und Geruchsbelästigungen zu vermindern. Das alles erfolgt über eine App.
Vinschgerwind: Es geht bei der Kampagne gleichzeitig auch um den Wert des Brennstoffes Holz zu erhöhen.
Hanspeter Schwemm: Richtig, es geht darum, den Wert von Holz zu erhöhen.
Hanspeter Schwemm: Noch etwas müssen wir immer wieder wiederholen: Die Anlagen müssen unbedingt professionell installiert werden. Man kann nicht einfach einen Fertigofen aus dem Handel selbst installieren.
Vinschgerwind: Eure Erfahrungen: Wie wichtig ist Aufklärungsarbeit in diesem Bereich?
Hanspeter Schwemm: Wir haben die Erfahrung gemacht, dass es sehr wichtig ist, immer wieder Aufklärungsarbeit in diese Richtung zu machen.
Johannes Tappeiner: Es können so auch Mängel festgestellt werden, das ist für den Besitzer sehr wertvoll.
Helmuth Holzner: Und wir machen im Zuge dieses Beratungsgespräches auch auf die aktuellen Förderungen aufmerksam.
Richard Schupfer: Das Beratungsgespräch ist kostenlos und geht mit den Privacy-Bestimmungen konform.
Johannes Tappeiner: Beim Ankauf von Feuerstätten sollte darauf geachtet werden, ob diese die „ 4 bzw. 5“ Sterne, die italienische Abgasklassifizierung, erfüllen. Achtung beim Ankauf von alten, gebrauchten Herden und Öfen, welche diese Standards nicht erfüllen.