Frau Schwarz öffnet die Eisen-Glastür. „Herzlich willkommen, kemm´s eini“, sagt sie mit zarter Stimme und führt uns durch den kleinen Klosterladen in den Benediktsraum. Sie schildert hier, wie das Museum entstanden ist und welchen Zweck das ehemalige Wirtschaftsgebäude bis 2007 erfüllt hatte. Im ursprünglichen Zustand und Gebrauch verblieben nur noch die Mühle und die Klosterbäckerei.
Das revitalisierte Gebäude, das nun „Abt Hermann – Haus“ heißt, beherbergt das Museum, Seminarräume, Klosterverwaltung, Frühstücksküche, acht Einbett- und ein Doppelbettzimmer.
In acht Räumen möchte das Museum die Geschichte des Klosters und das Leben des hl. Benedikt von Nursia erzählen. Die Räume haben alle einen Namen, der sich auf die Benediktsregel oder auf den Inhalt des Raumes bezieht. So heißt der erste Raum „ Dass Gott in Allem verherrlicht werde“. Nichts solle dem Gebet vorgezogen werden. Alles Tun soll zur Ehre Gottes geschehen. Hier bereitet man sich geistig und spirituell zum Museumsrundgang vor. Eine erst kürzlich aufgestellte Vitrine enthält ein großes Antiphonale Vespertinum-Brevarium Romanum, welches 1710 von einem Mönch auf Pergament geschrieben wurde. Die Benediktsvita wird von vier frühbarocken Vitenbildern von Hans Jakob Pfeil illustriert. Von den Zitaten aus der Regel des Ordensgründers erhält man einen Eindruck vom geregelten Leben in einem Benediktinerkloster. Die neugotische Benediktsstatue von Josef Knabel stellt den Ordensgründer mit Regelbuch dar.
Der nächste Raum trägt den Namen „ora et labora“. Er ist dem monastischen Alltag gewidmet. Ein Kurzfilm zeigt den Tagesablauf der Mönche im Kloster: beim Gebet, bei der Arbeit und bei der Rekreation, d.h. bei Freizeit und Spiel. Einzelne Begabungen zeigen sich im Sammeln von Mineralien, in der Fotografie, dem Messen der Wetterwerte, dem Komponieren sakraler Musik oder den orientalischen Studien. Bis vor einigen Jahren haben die Marienberger auch die Pfarreien Burgeis, Schlinig, Schleis, Platt und St. Martin i.P. betreut. Heute werden nur mehr Schlinig und Burgeis von P. Peter bzw. von P. Martin excurrendo versehen.
Eine Uhrenvitrine hat hier doppelte Bedeutung. Es war und ist in Marienberg üblich, dass sich jeder Abt eine neue Uhr anschafft. So entstand eine bedeutende Uhren-Sammlung, von der hier einige zu bestaunen sind. Die zweite Aussage der Uhrenvitrine bezieht sich auf das Stundengebet. Fünfmal am Tag versammeln sich die Mönche zum Chorgebet und einmal zur Feier der hl. Messe.
Im Preziosen- oder Romanikraum sind die wertvollsten Gegenstände des Klosters dargestellt, die immer wieder ausgetauscht werden. Zurzeit werden die berühmte Uta-Kasel aus der Gründungszeit, die romanischen Türgriffe, Kelche, Abtkreuze und Ringe sowie romanische Freskenfragmente aus der Stiftskirche ausgestellt.
Drei leere Fensternischen werden gerade zu Vitrinen umfunktioniert. Hier sollen eine germanische Gürtelgarnitur aus dem 7. Jahrhundert,gefunden bei St.Stefan, Reliquiare aus dem 13. Jahrhundert und Mitra samt Pontfikalhandschuhen und –Schuhen ausgestellt werden.
Im Gang gehen wir sozusagen durch die Chronik des Klosters, in der herausragende Ereignisse eingetragen sind. Die Höhe der weißen Säulchen zeigt, zu welcher Zeit wie viele Mönche in Marienberg waren. Gegenwärtig leben elf Mönche im Kloster. Die Zeitleiste wird immer wieder von Objekten unterbrochen, die wie Zeugen die einzelnen Stationen belegen.
Am Ende des informativen Ganges gelangen wir in einen Medienraum, in dem wir auf einer Großleinwand die Architektur und die Fresken der berühmten Krypta sehen können. Ein Begleitkommentar versucht im theologisch-spirituellen Lichte das Kunstwerk zu deuten. Vier Bildtafeln dokumentieren die Freilegung des Kryptenraumes.
Frau Schwarz führt uns nun in den ersten Stock zur Mineralienausstellung. Sie zeigt nur einen kleinen Teil der riesigen Klostersammlung, die aus drei Sammlungen entstand; einmal aus der Sammlung der Mönche im Kloster, dann aus der Sammlung des königlich kaiserlichen Gymnasiums zu Meran und dann noch aus der Sammlung von Josef Schguanin, Frühmesser aus Villanders, der seinen Lebensabend in Marienberg verbracht hatte.
Seltenheitswert hat das ausgestellte Lehrmaterial vom Gymnasium zu Meran. Sämtliche Kristallformen wurden originalgetreu mit Karton, Holz, Metall und anderen Materialien nachgebaut.
Frau Schwarz führt uns zurück in den Klosterladen. Er ist auch Anlauf- und Auskunftsstelle und für jedermann frei zugänglich. Der Laden ist sehr klein, hat aber ein spezielles Flair. Angeboten werden Bücher aus dem geschichtlichen und spirituellen Bereich, biologische Produkte aus dem Vinschgau und künstlerische und handwerkliche Gegenstände, Postkarten und andere Andenken.