Von den „Welschen“ und vom „Klein Engadein“

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Freundeskreis-Präsident Heinrich Moriggl hieß die Historikerin Mercedes Blass herzlich willkommen; rege Diskusionen gab es bei der Ausstellungsbesichtigung Freundeskreis-Präsident Heinrich Moriggl hieß die Historikerin Mercedes Blass herzlich willkommen; rege Diskusionen gab es bei der Ausstellungsbesichtigung

Marienberg - Auf großes Interesse ist der heurige Einkehrtag gestoßen, zu dem der Freundeskreis Marienberg um Präsident Heinrich Moriggl am 23. März ins Kloster geladen hatte. Keine geringere als die bekannte Historikerin Mercedes Blaas gab anlässlich der 500 Jahre Bauernkriege Tirol Einblick in die Verwendung des Ramountsch, der rätoromanischen Sprache im oberen Vinschgau. Mit der Sprachentwicklung etwa von Oswald zu Oschwald bis hin zum auch heute gebräuchlichen Nachnamen Schwalt liegen uns viele Sprachspuren des Rätoromanischen noch vor. Die Nachnamen Pinggera und Rufinatscha etwa sind eindeutig Relikte aus dem Romanischen. Unzählige Flurnamen legen beredtes Zeugnis vom langen Gebrauch des Engadinischen ab. Mercedes Blaas entführte die interessierten Freunde Marienbergs in die Mitte des 16. Jahrhunderts. In Mals, Laatsch, Burgeis, Schluderns und Taufers wurde damals ausschließlich Engadinisch bzw Rätoromanisch gesprochen. In den kleinen Dörfern abseits von den Durchfahrtsrouten wie in Matsch, in Schlinig und in Planeil hat sich diese Sprache am längsten gehalten. Um 1600 war das Gebiet im oberen Vinschgau zweisprachig, während die Eindeutschung der Bevölkerung im heutigen Nordtirol und im heutigen Südtirol kurz nach der Jahrtausendwende erfolgt ist. Im Glurnser Gericht war lange Zeit die „welsche“ Sprache auch Gerichtssprache. Ein Umstand, der bei Streitigkeiten des Öfteren Dolmetscher erforderte. Dass die Dörfler in St. Valentin bis vor Kurzem noch als „Klein Engadeiner“ beleidigt worden sind, rief der „Dörfler“ Andreas Waldner in Erinnerung. Begeisterten Applaus erhielt Blass für ihre Ausführungen. Im Anschluss an den Vortrag und nach kurzer Einleitung von Helene Dietl Laganda wurde die neue Ausstellung über die Beziehungen zwischen dem Kloster und dem Patznauntal besucht.
Abt Philipp hieß die Marienberger Freunde im Kloster mit „Wir sind euch sehr verbunden“ herzlich willkommen und lauschte gemeinsam mit vielen Konventualen den Ausführungen von Mercedes Blaas.
Nach der gemeinsamen Vesper ließen es sich die Freunde Marienbergs bei Marende und Wein, gut gehen, wobei angeregte Diskussionen nicht fehlten. (eb)

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